Kurz gesagt
Die mame.ini erzeugst du mit einem einzigen Befehl und änderst dann nur die wenigen Blöcke für Pfade, Video und Eingabe, statt hunderte Zeilen anzufassen.
Inhalt
Wer die mame.ini zum ersten Mal öffnet, sieht hunderte Zeilen und denkt an Rückzug. Das musst du nicht. Von den vielen Optionen sind für den Alltag genau drei Blöcke relevant: wo deine Dateien liegen, wie das Bild ausgegeben wird und wie deine Steuerung reagiert. Alles andere kannst du auf den Standardwerten stehen lassen. In dieser Anleitung gehst du diese Blöcke durch, richtest saubere Pfade ein und lernst die pro Spiel wirkenden INIs kennen, die viele übersehen.
mame.ini per -createconfig erzeugen
Nach einer frischen Installation existiert noch keine mame.ini. Du erzeugst sie selbst. Öffne eine Kommandozeile im MAME-Ordner (dort, wo mame.exe liegt) und tippe:
mame -createconfig
Bei älteren 64-Bit-Builds heißt die Datei mame64.exe, dann nutzt du mame64 -createconfig. MAME schreibt daraufhin eine vollständige mame.ini mit allen Standardwerten in den aktuellen Ordner. Wichtig: Der Befehl schreibt die Datei in das Verzeichnis, in dem du gerade stehst. Startest du ihn aus dem falschen Ordner, landet die INI woanders und MAME findet sie beim nächsten Start nicht. Am einfachsten legst du dir im MAME-Ordner eine kleine .bat-Datei mit dem Befehl an oder navigierst per cd gezielt dorthin.
Zwei Befehle sind später Gold wert. mame -showconfig zeigt dir alle aktuell gültigen Werte, so wie MAME sie einliest. Und mame -verbose <spiel> (kurz -v) druckt beim Start aus, welche Pfade und Dateien MAME wirklich durchsucht. Wenn etwas nicht gefunden wird, siehst du hier sofort warum.
Aufbau der Datei: die wichtigsten Blöcke
Die mame.ini ist in Abschnitte gegliedert, jeder trägt eine Kommentarüberschrift wie #CORE SEARCH PATH OPTIONS. Ein Eintrag ist immer ein Schlüssel, ein Leerzeichen und ein Wert, zum Beispiel rompath roms. Zeilen mit # sind Kommentare.
Merk dir diese vier Gruppen, der Rest ist Feinschliff:
- Suchpfade (CORE SEARCH PATH OPTIONS):
rompath,samplepath,artpath,hashpathund weitere. Hier sagst du MAME, wo deine Inhalte liegen. - Ausgabeordner (CORE OUTPUT DIRECTORY OPTIONS):
cfg_directory,nvram_directory,snapshot_directory,state_directory. Hier speichert MAME deine Einstellungen, Highscores und Screenshots. - Video (OSD VIDEO OPTIONS):
video,window,waitvsync. Dazubgfx_backendaus den BGFX POST-PROCESSING OPTIONS undkeepaspectaus den CORE RENDER OPTIONS. - Eingabe (CORE INPUT OPTIONS und OSD INPUT OPTIONS):
joystick,mouse,steadykey. Der Autosave (autosave) sitzt dagegen in den CORE STATE/PLAYBACK OPTIONS.
Werte mit mehreren Pfaden trennst du durch ein Semikolon, etwa rompath roms;roms_neogeo. Relative Pfade beziehen sich auf den MAME-Ordner, absolute Pfade funktionieren genauso.
Pfade sauber setzen (rompath, samplepath, cfg)
Der häufigste Grund für „kein Spiel startet“ ist ein falscher rompath. Standardmäßig steht dort roms, also der Unterordner roms im MAME-Verzeichnis. Wenn deine Sets woanders liegen, trägst du den Ordner hier ein. Du kannst mehrere Pfade angeben:
rompath roms;D:\Arcade\roms
samplepath samples
artpath artwork
hashpath hash
samplepath zeigt auf die Ordner mit Sound-Samples für Spiele, die zusätzliche Audiodateien brauchen. artpath ist der Ort für Bezel- und Artwork-Dateien. Wenn du BIOS-Dateien oder CHD-Images einbindest, gelten für deren Ablage dieselben Regeln wie für ROMs, das ist ein eigenes Thema für sich, das im Guide zu rompath, BIOS und CHD ausführlich steht.
Bei den Ausgabeordnern lohnt ein Blick auf cfg_directory (Standard cfg). Dort landet pro Spiel eine .cfg mit deinen im Tab-Menü gesetzten Tastenbelegungen und dem DIP-Switch-Zustand. Sicherst du diesen Ordner, sicherst du deine gesamte Einstellungsarbeit. Ähnlich wichtig ist nvram_directory für Highscores und Freischaltungen sowie state_directory für Speicherstände. Grundregel: Diese Ordner müssen beschreibbar sein. Liegt MAME unter C:\Programme, blockiert Windows oft das Schreiben. Installier MAME lieber in einen eigenen Ordner wie C:\Emulatoren\MAME, mehr dazu im Guide zur Installation unter Windows.
Video-Backend und Vollbild sinnvoll wählen
Im Videoblock entscheidest du, wie MAME das Bild rendert. Auf aktuellen Builds ist bgfx der Standard, ein modernes Backend, das je nach System automatisch Direct3D, OpenGL, Metal oder Vulkan nutzt. Für die meisten Rechner ist das die richtige Wahl:
video bgfx
bgfx_backend auto
Zeigt MAME auf älterer Hardware nur ein schwarzes Bild oder stürzt beim Start ab, hast du zwei Ausweichoptionen. Setz bgfx_backend fest auf d3d9 statt auto, oder wechsle das ganze Backend auf video gdi. GDI ist langsam und ohne Effekte, läuft aber praktisch überall und ist gut zum Diagnostizieren.
Für Vollbild und ein ruckelfreies Bild sind diese drei Zeilen entscheidend:
window 0
maximize 1
waitvsync 1
window 0 startet im Vollbild, waitvsync 1 synchronisiert die Ausgabe mit deinem Monitor und verhindert Tearing. Ob das Seitenverhältnis stimmt, steuert keepaspect 1. Für ein pixelscharfes Bild ohne krumme Skalierung ist Integer-Scaling der bessere Weg, das behandelt der Guide zu Seitenverhältnis und Integer-Scaling. Und wenn du echtes Röhren-Feeling mit Scanlines willst, laufen die Shader über das bgfx-Backend, nachzulesen im Guide zu CRT-Shadern und Scanlines.
Eingabe- und Autosave-Optionen
Im Eingabeblock stellst du ein, welche Geräte MAME akzeptiert und wie empfindlich sie sind. Ein paar Werte lohnen sich fast immer:
joystick 1
mouse 0
steadykey 1
joystick_deadzone 0.30
joystick_saturation 0.85
autosave 0
steadykey 1 ist ein Geheimtipp für Prügelspiele auf der Tastatur. Es sorgt dafür, dass gleichzeitig gedrückte Tasten sauber erkannt werden, was Spezialmoves erst zuverlässig macht. joystick_deadzone legt fest, ab welcher Auslenkung ein Analogstick reagiert, joystick_saturation, ab wann er als voll ausgelenkt gilt. Bei zitternden oder ungenauen Sticks justierst du hier.
Zu autosave ein ehrliches Wort. Steht es auf 1, speichert MAME beim Beenden automatisch den Maschinenzustand und lädt ihn beim nächsten Start wieder, für Treiber, die das unterstützen. Praktisch, aber nicht jeder Treiber verträgt es sauber, und ein defekter Autosave-Stand kann ein Spiel in einen kaputten Zustand versetzen. Lass es im Zweifel auf 0 und nutz lieber die manuellen Speicherstände über die Tastatur. Die Feinbelegung deiner einzelnen Tasten läuft ohnehin nicht über die INI, sondern über das Tab-Menü im laufenden Spiel.
Pro-Spiel-INIs für Ausnahmen anlegen
Der am meisten unterschätzte Trick: Du musst nicht alles global in der mame.ini regeln. MAME liest beim Start eine ganze Kette von INI-Dateien ein und jede spätere überschreibt die frühere. So kannst du eine einzige Einstellung nur für ein Spiel, eine Bauart oder einen Hersteller ändern, ohne die Hauptdatei anzufassen.
Diese Zusatzdateien gehören in den Unterordner ini (steuerbar über inipath). MAME liest sie ungefähr in dieser Reihenfolge, von allgemein zu speziell:
mame.ini(die Basis)debug.ini(nur wenn du MAME mit Debugger startest, sonst übersprungen)horizont.iniodervertical.ini(nach Monitorausrichtung)vector.ini,raster.ini,lcd.ini(nach Bildschirmtechnik)- die Quelldatei-INI im Unterordner
ini/source/, benannt nach dem Treiber (etwasource/neogeo.ini) - die INI des BIOS-Sets, dann des Eltern-Sets und schließlich die des konkreten Spiels (etwa
pacman.ini)
Ein wichtiger Unterschied bei den Pfaden: Die Quelldatei-INI erwartet MAME im Unterordner ini/source/, die Eltern- und Spiel-INIs dagegen direkt in ini/. Ein Beispiel: Alle vertikal laufenden Spiele sollen anders skaliert werden. Dann legst du ini/vertical.ini an und schreibst nur die betroffene Zeile hinein. Oder ein einzelnes Spiel braucht ein anderes Backend, weil ein Shader dort zickt. Dann genügt ini/pacman.ini mit einer einzigen Zeile. Alles, was du nicht angibst, erbt das Spiel weiter aus der mame.ini. Diese Kaskade hält deine Hauptkonfiguration schlank und macht Ausnahmen nachvollziehbar. Die genaue Ladereihenfolge ist im Kapitel „Multiple Configuration Files“ der offiziellen MAME-Dokumentation beschrieben.
Häufige Fehler und wie du sie zurücksetzt
Vier Stolperfallen tauchen immer wieder auf:
- Falscher Ordner beim Erzeugen. Die
mame.iniliegt nicht nebenmame.exe. Lösung: Kommandozeile in den MAME-Ordner navigieren,-createconfigerneut ausführen. - Tippfehler im Pfad. Ein Spiel startet nicht, obwohl das Set vorhanden ist. Prüf den
rompathund lass dir mitmame -verbose <spiel>zeigen, wo MAME wirklich sucht. - Schreibgeschützter Ordner. Einstellungen aus dem Tab-Menü sind nach dem Neustart weg. Meist blockiert Windows das Schreiben unter
C:\Programme. MAME in einen eigenen, beschreibbaren Ordner verschieben. - Verkonfiguriert und ratlos. Du hast zu viel geändert und weißt nicht mehr, welcher Wert das Problem ist. Benenn die
mame.iniinmame.ini.altum, erzeug mit-createconfigeine frische Standarddatei und trag deine Pfade neu ein.
Ein Hinweis zum Sichern deiner Änderungen: Die Option writeconfig steht standardmäßig auf 0, MAME überschreibt deine mame.ini also nicht von selbst. Deine manuellen Edits bleiben erhalten. Setz writeconfig nur bewusst auf 1, wenn MAME beim Beenden den aktuellen Zustand zurückschreiben soll, sonst gehen deine handgesetzten Kommentare und Formatierungen verloren.
Wenn du diese Blöcke einmal sauber eingestellt hast, brauchst du die mame.ini monatelang nicht mehr zu öffnen. Der Rest der Datei bleibt getrost auf Standard. Willst du tiefer in die Kommandozeilenoptionen einsteigen, findest du die vollständige Referenz in der MAME-Dokumentation.
mame.app ist unabhängig und erhält für Empfehlungen kein Geld. Angaben zum Recht sind eine allgemeine Einordnung, keine Rechtsberatung. Software und Rechtslage können sich ändern.