Kurz gesagt
rompath ist der Suchpfad für alle Spieldateien, BIOS-ROMs sind Systemdateien mehrerer Spiele und eine CHD ist das Abbild einer Festplatte oder CD, das neben das ZIP gehört.
Inhalt
Du startest ein Arcade-Spiel in MAME, und statt des Titelbilds erscheint eine rote Fehlermeldung mit einer langen Liste von Dateinamen. Genau an dieser Stelle geben viele auf, obwohl fast immer dieselben drei Ursachen dahinterstecken: MAME sucht am falschen Ort, dem Spiel fehlt eine gemeinsame Systemdatei, oder eine große Abbild-Datei liegt nicht dort, wo sie hingehört. Wer diese drei Bausteine (rompath, BIOS und CHD) einmal sauber auseinanderhält, rät nicht mehr an Fehlertexten herum, sondern weiß sofort, welche Datei fehlt und wohin sie muss.
Was der rompath ist und wie MAME sucht
Der rompath ist die Einstellung in der mame.ini, die MAME sagt, in welchen Ordnern es nach Spieldateien suchen soll. Standardmäßig steht dort schlicht roms, also ein Unterordner neben der mame.exe. Du kannst aber mehrere Verzeichnisse eintragen, getrennt durch ein Semikolon, zum Beispiel rompath roms;D:\arcade\merged. MAME geht die Pfade in dieser Reihenfolge durch und nimmt den ersten Treffer.
Wichtig ist, wonach MAME genau sucht. Jedes Spiel hat einen kurzen internen Namen (den sogenannten Shortname), etwa sf2 für Street Fighter II oder dkong für Donkey Kong. MAME erwartet im rompath eine Datei sf2.zip (oder sf2.7z) oder alternativ einen Ordner namens sf2 mit den einzelnen ROM-Dateien darin. Der Dateiname des Archivs muss exakt dem Shortname entsprechen. Heißt deine Datei Street Fighter 2.zip, findet MAME sie nicht, egal was drinsteckt. Wie du den rompath dauerhaft einträgst und die mame.ini überhaupt erzeugst, steht ausführlich im Guide zu den MAME-Einstellungen.
BIOS-ROMs: warum ein Spiel eine zweite ZIP braucht
Manche Spiele laufen nicht auf eigener Hardware, sondern auf einer gemeinsamen Systemplattform. Das bekannteste Beispiel ist das Neo Geo: Dutzende Spiele teilen sich denselben Startcode und dieselben Systemroutinen. Dieser gemeinsame Teil steckt nicht in jedem Spielarchiv, sondern in einer eigenen Datei, dem BIOS-Set. Beim Neo Geo heißt es neogeo.zip, bei Konvertierungen von PGM-Boards pgm.zip und so weiter.
Damit ein Neo-Geo-Spiel wie mslug (Metal Slug) startet, müssen also zwei Archive im rompath liegen: mslug.zip und neogeo.zip. Fehlt das BIOS, meldet MAME „required files are missing“ und listet die BIOS-Dateien mit auf. In der Maschinenbeschreibung erkennst du diese Abhängigkeit am Eintrag romof, der auf das übergeordnete BIOS-Set verweist. Ob du das BIOS getrennt vorhalten musst, hängt vom Set-Typ ab, in der Praxis lautet die Antwort aber fast immer ja. Bei einem merged, einem split und auch bei einem gewöhnlichen non-merged Set bleiben die BIOS- und Device-Archive außerhalb der Spiel-ZIP, du brauchst neogeo.zip also zusätzlich. Nur ein sogenanntes full non-merged Set legt BIOS und Devices zusätzlich in jede einzelne Spiel-ZIP, was die Archive spürbar aufbläht. Die Unterschiede erklärt der Guide zu Merged, Split und Non-Merged, und die konkreten BIOS-Dateien für die großen Plattformen findest du unter Neo Geo und CPS BIOS.
Die MAME CHD-Datei: Festplatten und CDs als Abbild
CHD steht für „Compressed Hunks of Data“ und ist MAMEs eigenes Format für große Datenträger. Sobald ein Arcade-System keine ROM-Chips mehr benutzt, sondern eine echte Festplatte, eine CD-ROM, eine GD-ROM oder eine Laserdisc, passt der Inhalt nicht mehr in eine handliche ZIP. MAME packt so einen Datenträger stattdessen in eine einzige, verlustfrei komprimierte CHD-Datei. Wenn du wissen willst, was eine CHD ist, denk an das komplette Abbild einer Festplatte, zusammengeschnürt in eine Datei mit der Endung .chd.
Der entscheidende Punkt für Einsteiger: Eine CHD-Datei gehört nicht in die ZIP, sondern daneben. MAME erwartet die CHD in einem Unterordner, der genauso heißt wie der Shortname des Spiels. Für Killer Instinct (kinst) sieht der Aufbau so aus:
roms/
kinst.zip
kinst/
kinst.chd
Die ZIP enthält also weiterhin die kleinen Boot-ROMs, und der gleichnamige Unterordner enthält die große CHD. Erzeugen und prüfen lassen sich CHDs mit dem MAME beiliegenden Werkzeug chdman. Entpacke eine CHD niemals und benenne sie nicht um: MAME prüft ihren internen Prüfwert (SHA1), und schon eine umbenannte oder halb kopierte Datei fällt durch. Am häufigsten scheitert es hier daran, dass Leute die CHD direkt in den roms-Ordner legen statt in den passenden Unterordner.
Samples: analoger Sound als Zusatzdateien
Viele frühe Automaten hatten gar keinen Soundchip, sondern erzeugten Geräusche über analoge Schaltungen, etwa den Sprung in Donkey Kong oder die Schüsse in Galaxian. Diese Klänge kann MAME nicht immer perfekt nachbilden, deshalb gibt es dafür Samples: kurze WAV-Aufnahmen des Originalsounds, gebündelt in einem ZIP-Archiv.
Samples sind optional. Ohne sie startet das Spiel trotzdem, es bleibt nur an den betreffenden Stellen stumm. Sie liegen nicht im rompath, sondern in einem eigenen Ordner, den die Einstellung samplepath festlegt (Standard: samples). Auch hier gilt die Shortname-Regel: dkong.zip im samples-Ordner versorgt Donkey Kong mit seinen Effekten. Teilweise greifen Klone auf das Sample-Archiv ihres Eltern-Spiels zurück, dann brauchst du nur das eine Archiv unter dem Parent-Namen. Wer alte Automaten authentisch hören will, kommt an den passenden Sample-Sets nicht vorbei.
Wohin die Ordner roms, samples und chd gehören
Damit MAME alles findet, hilft ein klares Bild der Ordnerstruktur. In einer typischen portablen Installation sieht sie so aus:
mame/
mame.exe
mame.ini
roms/ (alle Spiel-ZIPs und BIOS-ZIPs)
kinst/ (CHD im Unterordner mit Shortname)
kinst.chd
samples/ (Sample-ZIPs)
Zwei Regeln reichen für den Alltag:
- Spiel-ZIPs und BIOS-ZIPs liegen flach nebeneinander im
roms-Ordner (bzw. in jedem Ordner, der imrompathsteht). - CHDs kommen in einen Unterordner innerhalb des rompath, der exakt den Shortname des Spiels trägt.
Beide Speicherorte steuerst du über die mame.ini. Die Zeile rompath bestimmt die ROM- und BIOS-Ordner (und damit auch, wo MAME die CHD-Unterordner sucht), die Zeile samplepath bestimmt den Sample-Ordner. Du darfst mehrere Pfade eintragen, was praktisch ist, wenn deine legal gedumpten Sets auf einer zweiten Platte liegen. Details zum Bearbeiten dieser Datei stehen im mame.ini-Guide.
Prüfen, welche Zusatzdateien ein Spiel verlangt
Statt zu raten, kannst du MAME direkt fragen, was einem Spiel fehlt. Diese Wege führen zuverlässig zum Ziel:
- Lies den roten Fehlertext beim Start. Er nennt jede fehlende Datei mit erwartetem Namen und Prüfsumme. Steht dort
neogeo.zip, fehlt ein BIOS; steht dort ein.chd-Name, fehlt das Festplatten-Abbild. - Prüfe die ROMs über die Kommandozeile mit
mame -verifyroms dkong. MAME meldet „romset dkong is good“ oder listet die fehlenden Dateien auf. - Prüfe die Samples getrennt mit
mame -verifysamples dkong, da Samples nicht zum ROM-Check zählen. - Schau in die Maschinenbeschreibung über
mame -listxml kinst. Ein<disk>-Eintrag bedeutet, dass eine CHD nötig ist. Einromof-Attribut verweist auf ein benötigtes BIOS- oder Parent-Set.
So arbeitest du dich in drei Minuten von der roten Fehlermeldung zur klaren Einkaufsliste vor: Welche ZIP, welches BIOS, welche CHD, welche Samples. Wichtig bleibt dabei die rechtliche Seite. ROMs, BIOS-Sets und CHDs sind in aller Regel urheberrechtlich geschützt. Legal sind eigene Dumps von Platinen und Modulen, die dir gehören, offiziell frei veröffentlichte Sets sowie gekaufte Compilations und Re-Releases. Der Aufbau der Ordner bleibt in jedem Fall derselbe, egal woher deine Dateien rechtmäßig stammen.
Die verbindliche Referenz für Pfade, Optionen und die genaue Bedeutung der Kommandozeilen-Befehle ist die offizielle MAME-Dokumentation. Wer noch ganz am Anfang steht, richtet MAME zuerst sauber ein, wie im Guide zu MAME unter Windows installieren beschrieben, und kümmert sich danach um BIOS, CHD und Samples.
mame.app ist unabhängig und erhält für Empfehlungen kein Geld. Angaben zum Recht sind eine allgemeine Einordnung, keine Rechtsberatung. Software und Rechtslage können sich ändern.