Kurz gesagt
Über die Tab-Taste öffnest du im Spiel das Konfigurationsmenü und belegst dort entweder global oder nur für dieses Spiel Stick, Buttons, Coin und Start.
Inhalt
Du wirfst ein Arcade-Spiel in MAME an, drückst eine Taste und nichts passiert so, wie du es erwartest. Die Figur läuft in die falsche Richtung, der Sprung liegt auf einer unbequemen Taste und wie man überhaupt eine Münze einwirft, verrät dir das Spiel nicht. Fast jede Eingabe in MAME stellst du an einer einzigen Stelle um, dem Tab-Menü. Dieser Guide zeigt dir, wie du dort Stick, Buttons, Coin und Start belegst und warum es zwei getrennte Eingabe-Menüs gibt, die viele Anleitungen munter durcheinanderwerfen. So kannst du die MAME-Steuerung einstellen, ohne dich vorher durch Config-Dateien zu wühlen. Wenn MAME bei dir noch gar nicht läuft, hol das zuerst im Guide MAME unter Windows installieren nach.
Das Tab-Menü im laufenden Spiel öffnen
Starte ein beliebiges Spiel und drücke im laufenden Bild die Taste „Tab“. Damit öffnest du das On-Screen-Menü von MAME, die zentrale Schaltstelle für alles rund um Eingaben, DIP-Switches und Bildoptionen. Das Spiel läuft im Hintergrund weiter, du navigierst mit den Pfeiltasten und bestätigst mit Enter. Mit „Tab“ oder Escape kommst du wieder zurück ins Spiel.
Zwei Stolperfallen gibt es hier. Erstens: Bei Systemen mit vollständiger Tastatur (etwa manchen Computern statt Arcade-Boards) belegt das Spiel selbst die Tab-Taste. In dem Fall drückst du zuerst „Rollen“ (Scroll Lock), um MAME von der emulierten Tastatur zu trennen, und dann Tab. Zweitens: Startest du MAME aus einem Frontend wie LaunchBox, funktioniert Tab trotzdem, das Menü liegt einfach über dem Spiel.
Input General vs. Input this Machine
Im Tab-Menü findest du zwei Einträge, die fast gleich heißen und den größten Teil der Verwirrung verursachen.
„Input (general)“ gilt global für alle Maschinen. Hier legst du die Grund-Belegung fest, sortiert nach Gerätetypen wie Joystick-Richtungen, Button 1 bis 6, Coin und den Bedienelementen der Oberfläche. Änderst du hier etwas, wirkt es in jedem Spiel, das denselben Eingabetyp nutzt. Das ist der richtige Ort, um deinen Arcade-Stick einmal sauber durchzubelegen.
„Input (this Machine)“ gilt nur für das gerade laufende Spiel. MAME zeigt dir hier genau die Eingaben, die dieses Spiel tatsächlich verwendet, oft mit sprechenden Namen wie „P1 Button 1 (Punch)“ oder „P2 Kick“. Eine Belegung an dieser Stelle überschreibt für dieses eine Spiel die globale Vorgabe. Praktisch, wenn ein Titel eine ungewöhnliche Anordnung hat und du nur dort abweichen willst.
Die saubere Arbeitsweise: erst „Input (general)“ für die Grund-Belegung, danach nur bei Bedarf „Input (this Machine)“ für einzelne Ausreißer. So musst du dich nicht durch jedes Spiel einzeln quälen.
Stick und Buttons neu belegen
Das Prinzip ist in beiden Menüs gleich. Du markierst die gewünschte Zeile, drückst Enter und MAME wartet mit „Press key or button to assign“ auf deine Eingabe. Jetzt bewegst du den Stick in die passende Richtung oder drückst den Button, den du zuweisen willst. MAME übernimmt das sofort. Willst du eine Zuweisung wieder löschen, drückst du beim Warte-Prompt einfach Escape, dann steht die Eingabe auf „None“.
Zur Orientierung die Standard-Belegung für Spieler 1 auf der Tastatur:
- Richtungen: Pfeiltasten hoch, runter, links, rechts
- Button 1: linke Strg-Taste
- Button 2: linke Alt-Taste
- Button 3: Leertaste
- Button 4: linke Shift-Taste
- Coin 1: Taste 5, Start 1 Player: Taste 1
Spieler 2 liegt standardmäßig auf R, F, D, G für die Richtungen sowie A, S, Q, W für die Buttons. Ein kleiner Trick: Du kannst einer Aktion mehrere Eingaben zuweisen. Betätigst du im Warte-Modus nacheinander zwei Steuerelemente, verbindet MAME sie mit einem „or“, beide lösen dann dieselbe Aktion aus. So belegst du eine Funktion parallel auf Tastatur und Stick. Wenn du einen echten Arcade-Stick anschließt, lohnt sich vorher ein Blick in den Guide Arcade-Stick mit Zero-Delay-Encoder bauen, damit die Buttons überhaupt sauber als Eingaben ankommen.
Coin und Start richtig zuweisen
Das ist der Klassiker unter den Anfänger-Fragen: Das Spiel zeigt „Insert Coin“ und reagiert scheinbar auf nichts. Der Grund ist einfach. Ein Arcade-Automat wollte Geld sehen, bevor er startet, und MAME bildet genau das nach. Standardmäßig wirfst du mit Taste 5 eine Münze ein (Coin 1) und drückst danach Taste 1, um als Spieler 1 zu starten (Start 1 Player).
Für bequemes Spielen am Stick empfiehlt es sich, Coin und Start auf erreichbare Buttons zu legen. Gute Arcade-Sticks und -Panels haben dafür extra kleine Tasten. Öffne „Input (general)“, suche die Zeile „Coin 1“ beziehungsweise „1 Player Start“ und weise ihnen deine physischen Tasten zu. Danach musst du im Spiel nicht mehr zur Tastatur greifen, um eine Runde zu starten.
Hotkeys für Pause, Vollbild und Beenden
Neben den Spiel-Eingaben kennt MAME feste UI-Hotkeys. Die wichtigsten im Alltag:
- „P“ pausiert das Spiel und setzt es wieder fort
- Escape beendet das Spiel und bringt dich zurück ins Frontend oder auf den Desktop
- F3 löst einen weichen Reset aus, Shift+F3 einen harten Reset
- F12 speichert einen Screenshot in den snap-Ordner
- F10 schaltet die Geschwindigkeitsbremse (Throttle) ab und an
Diese UI-Tasten sind selbst wieder belegbar. In „Input (general)“ findest du unter den Einträgen für die Benutzeroberfläche die Zuordnungen, etwa für Pause oder das Menü. Beim Vollbild lohnt sich Ehrlichkeit: Einen zuverlässigen Umschalt-Hotkey gibt es in aktuellen MAME-Versionen nicht. Ob MAME im Fenster oder im Vollbild läuft, steuerst du am sichersten über die Option „window“ in der mame.ini. Steht sie auf 0, startet MAME im Vollbild, auf 1 im Fenster. Wenn dich neben der Belegung auch die Reaktionszeit interessiert, hilft der Guide Input-Lag in MAME reduzieren weiter.
DIP-Switches und Maschinenoptionen
Zwei weitere Tab-Menü-Einträge werden oft übersehen, obwohl sie viel verändern können. Unter „Dip Switches“ bildet MAME die kleinen Schalter nach, die früher direkt auf der Platine saßen. Damit stellst du je nach Spiel den Schwierigkeitsgrad, die Anzahl der Leben, die Region oder auch den Free-Play-Modus ein. Free Play ist der legale und bequeme Weg, dir das ständige Münzeinwerfen zu sparen, sofern das Spiel diesen Schalter anbietet.
Unter „Machine Configuration“ liegen Optionen, die nicht als klassische DIP-Switches umgesetzt sind, etwa die Steuerungsart oder Monitor-Ausrichtung bei manchen Titeln. Änderungen in beiden Menüs wirken sich sofort aus, manche verlangen einen Reset mit F3, damit das Spiel sie neu einliest. Probier ruhig herum, kaputt machen kannst du hier nichts.
Einstellungen dauerhaft speichern (cfg)
Das Beste zum Schluss: Du musst deine Belegung nur einmal machen. MAME speichert Eingaben, DIP-Switches und weitere Einstellungen automatisch, sobald du das Spiel beendest. Abgelegt wird das im Ordner „cfg“ als XML-Datei. Spielspezifische Einstellungen aus „Input (this Machine)“ landen in einer Datei mit dem Kurznamen des Spiels, etwa sf2.cfg. Deine globalen Belegungen aus „Input (general)“ wandern in die default.cfg im selben Ordner.
Wo dieser Ordner liegt, bestimmt die Option „cfg_directory“ in der mame.ini, standardmäßig ist es schlicht der Unterordner „cfg“. Zwei praktische Konsequenzen: Willst du für ein Spiel wieder bei null anfangen, löschst du einfach dessen cfg-Datei, dann greift wieder die Standard-Belegung. Und wenn du auf einen neuen Rechner umziehst, nimmst du den cfg-Ordner mit und hast sofort deine komplette Steuerung zurück.
Damit hast du den vollen Weg: Tab öffnet das Menü, „general“ belegt global, „this Machine“ für einzelne Spiele, Coin und Start liegen auf erreichbaren Tasten und die cfg-Dateien sichern alles dauerhaft. Wenn du tiefer einsteigen willst, ist die offizielle MAME-Dokumentation die verlässlichste Quelle, ergänzend die Projektseite auf mamedev.org.
mame.app ist unabhängig und erhält für Empfehlungen kein Geld. Angaben zum Recht sind eine allgemeine Einordnung, keine Rechtsberatung. Software und Rechtslage können sich ändern.