mame.app

Merged, split und non-merged Romsets erklärt

ROMs & Recht 14. Januar 2025 · 5 Min. Lesezeit

Kurz gesagt

Non-merged Sets enthalten alles pro Spiel und sind für Einsteiger am robustesten, split und merged sparen Platz über geteilte Parent- und Clone-Dateien.

Inhalt
  1. Parent und Clone: das Grundprinzip
  2. Non-merged: jede ZIP ist komplett
  3. Split: Clones teilen sich die Parent-Datei
  4. Merged: Parent und Clones in einer ZIP
  5. BIOS und Devices im Set
  6. Welcher Typ für welchen Anwendungsfall
  7. Wie du deinen aktuellen Set-Typ erkennst

Du kopierst Street Fighter II auf einen zweiten PC, doppelklickst die passende ZIP und MAME meldet fehlende Dateien. In MAME steckt kein Fehler. Das Verhalten zeigt nur, dass jede ZIP je nach Set-Typ mal komplett und mal auf ihre Nachbarn angewiesen ist. Ob merged, split oder non-merged: Der Unterschied entscheidet, ob ein Spiel alleine läuft oder Begleitdateien braucht. Bevor die drei Begriffe Sinn ergeben, musst du verstehen, wie MAME überhaupt mit Spielvarianten umgeht.

Parent und Clone: das Grundprinzip

Viele Arcade-Titel gibt es in mehreren Fassungen: Regionalversionen, Revisionen des Herstellers, spätere Bugfixes. MAME behandelt diese Varianten als eine Familie statt als getrennte Spiele. Eine Fassung wird zum „Parent“ erklärt und bekommt einen kurzen Namen wie sf2. Alle weiteren Fassungen sind „Clones“ und heißen zum Beispiel sf2ua (US-Revision), sf2j (Japan) oder sf2eb (Europa). Achtung bei den Namen: sf2ce (Street Fighter II’: Champion Edition) klingt nach einem Clone, ist in MAME aber ein eigenständiger Parent mit eigener Clone-Familie und taucht bei mame -listclones sf2 deshalb gar nicht auf.

Der Trick dahinter ist Sparsamkeit. Ein Clone teilt sich mit dem Parent den Großteil der ROM-Daten, etwa die Grafik- und Sound-Chips, und unterscheidet sich oft nur in wenigen Programm-ROMs. MAME weiß über seine interne Datenbank, welche Datei zu welchem Set gehört und welche Prüfsumme sie haben muss. Genau diese Beziehung zwischen Parent und Clone ist die Grundlage für die drei Set-Typen. Welchen Namen ein Parent oder Clone trägt, siehst du mit mame -listclones sf2 auf der Kommandozeile.

Non-merged: jede ZIP ist komplett

Bei einem non-merged Set enthält jede ZIP restlos alle ROMs, die dieses eine Set zum Laufen braucht. sf2.zip trägt die Parent-Dateien, sf2ua.zip trägt seine eigenen Programm-ROMs plus alle geteilten Daten des Parents noch einmal komplett. Die gemeinsamen Chips liegen also mehrfach auf der Platte.

Das kostet Platz, macht aber jede ZIP unabhängig. Du kopierst sf2ua.zip auf einen Stick, spielst sie auf einem anderen Rechner und brauchst dafür keine zweite Datei. Für Einsteiger und für kleine, handverlesene Sammlungen ist das die robusteste Wahl.

Eine Feinheit: Ein „full non-merged“ Set legt zusätzlich die BIOS- und Device-ROMs mit in jede Spiel-ZIP. Damit ist wirklich jedes Spiel autark, selbst Neo-Geo-Titel, die sonst die BIOS-Datei aus neogeo.zip nachladen. Standard-non-merged-Sets lassen BIOS und Devices dagegen außen vor und erwarten sie in eigenen ZIPs.

Split: Clones teilen sich die Parent-Datei

Ein split Set geht sparsamer mit dem Platz um. Die Parent-ZIP bleibt vollständig, aber jede Clone-ZIP enthält ausschließlich die Dateien, die sich vom Parent unterscheiden. sf2ua.zip trägt dann nur seine eigenen, abweichenden Programm-ROMs. Alles Geteilte holt MAME beim Start automatisch aus sf2.zip.

Daraus folgt eine klare Regel: Ein Clone läuft nur, solange seine Parent-ZIP im selben rompath liegt. Löschst du sf2.zip, startet sf2ua nicht mehr, obwohl die Clone-ZIP intakt ist. Genau das steckt hinter der Fehlermeldung vom Anfang. Split ist der klassische Standard für vollständige Sammlungen, weil es Platz spart und trotzdem jeden Clone als eigene, sichtbare ZIP behält.

Merged: Parent und Clones in einer ZIP

Am kompaktesten arbeitet das merged Set. Hier verschwinden die einzelnen Clone-ZIPs komplett. Die Parent-ZIP nimmt die Parent-Dateien und zusätzlich alle abweichenden ROMs sämtlicher Clones auf. sf2.zip enthält dann intern auch die Teile von sf2ua, sf2j und den übrigen Fassungen.

Starten kannst du die Clones trotzdem ganz normal, etwa mit mame sf2ua. MAME sucht die passenden Dateien einfach innerhalb von sf2.zip. Du hast am Ende die wenigsten Dateien und die kleinste Gesamtgröße, was das Archivieren eines kompletten Satzes angenehm macht. Der Preis ist Unübersichtlichkeit: Einen einzelnen Clone kannst du nicht mehr löschen, ohne die ZIP gezielt zu bearbeiten, und ein reines Parent-Backup gibt es so nicht.

BIOS und Devices im Set

Zwei Sorten von Dateien laufen quer zu diesem Schema. BIOS-Sets sind eigenständige ROMs, die eine ganze Hardware-Familie braucht. Das bekannteste Beispiel ist neogeo.zip für alle Neo-Geo-Spiele, ein weiteres pgm.zip für die PGM-Titel von IGS. Device-Sets sind geteilte Bausteine wie Sound- oder Schutz-Chips, die in vielen Titeln stecken. Für die CPS-Boards von Capcom gibt es dagegen keine eigene BIOS-ZIP analog zu neogeo.zip, denn CPS1- und CPS2-Sets bringen ihre Startup- und Schlüsseldaten pro Spiel selbst mit.

Diese ZIPs bleiben in aller Regel getrennt, egal ob dein Set merged, split oder non-merged ist. Fehlt die passende BIOS-ZIP, startet das Spiel nicht, selbst wenn die eigentliche Spiel-ZIP vollständig ist. Wie du rompath, BIOS und CHD-Dateien sauber einrichtest, steht im Guide zu rompath, BIOS und CHD. Nur ein full non-merged Set nimmt BIOS und Devices bewusst mit in jede Spiel-ZIP auf und verzichtet damit auf die externen Dateien.

Welcher Typ für welchen Anwendungsfall

Den einen besten Typ gibt es nicht. Es kommt darauf an, was du mit deiner Sammlung vorhast. Eine grobe Orientierung:

  • Non-merged: ideal für Einsteiger, für eine kleine Auswahl an Lieblingsspielen und immer dann, wenn du einzelne Titel auf deine eigenen anderen Geräte kopieren willst. Jede ZIP steht für sich.
  • Split: die pragmatische Wahl für eine große, vollständige Sammlung auf einer Platte. Spart spürbar Platz und lässt trotzdem jeden Clone als eigene Datei sichtbar.
  • Merged: die kompakteste Variante fürs reine Archivieren. Minimale Dateizahl, dafür weniger flexibel beim Aussortieren einzelner Fassungen.
  • Full non-merged: sinnvoll, wenn ein Spiel garantiert ohne jede Begleitdatei laufen soll, etwa auf einem abgeschotteten Cab oder Handheld.

Wichtig für alle vier Wege: Beschaffe die ROMs nur aus legalen Quellen. Das sind eigene Dumps von Platinen oder Modulen, die dir gehören, offiziell frei gegebene Sets, Homebrew sowie gekaufte Re-Releases und Compilations. Mehr dazu im Guide zu ROMs und Recht.

Wie du deinen aktuellen Set-Typ erkennst

Am schnellsten verrät sich der Typ über den Blick in eine Clone-ZIP. Öffne sf2ua.zip in deinem Archivprogramm und zähle die Dateien. Steckt darin ein voller Satz ROMs, hast du ein non-merged Set. Findest du nur ein oder zwei Dateien, ist es split. Fehlt eine sf2ua.zip komplett und die passende ROM liegt in sf2.zip, arbeitest du merged.

Sauberer und für ganze Ordner geeignet ist eine Prüfung gegen die passende DAT-Datei. clrmamepro liest die MAME-DAT ein, scannt deinen rompath und meldet je Set genau, was fehlt oder zu viel ist. Damit kannst du einen Ordner auch gezielt von einem Typ in einen anderen umbauen, was der Guide zu clrmamepro und Romset umbauen Schritt für Schritt zeigt. MAME selbst prüft ein einzelnes Set mit mame -verifyroms sf2ua.

Wenn beim Start trotzdem eine Datei mit falscher Prüfsumme oder ein „ROM not found“ auftaucht, hilft der Guide zu ROM nicht gefunden und Prüfsummenfehler beim Eingrenzen. Meist steckt eine gemischte DAT-Version dahinter, also ein Clone aus einer neueren MAME-Fassung neben einem älteren Parent. Wer seinen Set-Typ kennt und konsequent bei einer MAME-Version bleibt, umgeht die meisten dieser Fallen von vornherein.

RomsetsMAMEParent CloneclrmameproROM-Verwaltung

mame.app ist unabhängig und erhält für Empfehlungen kein Geld. Angaben zum Recht sind eine allgemeine Einordnung, keine Rechtsberatung. Software und Rechtslage können sich ändern.


Passende Guides