Kurz gesagt
Attract-Mode ist ein kostenloses, plattformübergreifendes Frontend, das du über seine Konfigurationsdatei mit Emulator-Pfad, Romliste und einem Layout einrichtest.
Inhalt
Du hast MAME laufen, tippst aber jedes Mal Befehle oder wühlst dich durch die interne Spielauswahl? Ein Frontend legt eine hübsche Oberfläche darüber, mit Cover, Marquee und Videovorschau. Attract-Mode ist dafür einer der schlanksten Kandidaten: quelloffen, kostenlos und auf einem alten Rechner oder Raspberry Pi genauso zuhause wie auf einem fetten Windows-PC. Diese Anleitung führt dich vom ersten Start bis zum Automaten, der beim Einschalten direkt im Vollbild startet.
Warum Attract-Mode statt LaunchBox
LaunchBox mit BigBox sieht spektakulär aus und nimmt dir viel Handarbeit ab, kostet für den Vollbildmodus aber Geld und läuft nur unter Windows. Attract-Mode geht den umgekehrten Weg. Es ist komplett kostenlos, läuft unter Windows, Linux, macOS und auf dem Raspberry Pi, und es frisst kaum Ressourcen. Der Preis dafür: Du konfigurierst mehr von Hand, oft direkt in Textdateien. Wer Bastelei mag und ein leichtgewichtiges System für die Bartop-Cabinet-Ecke will, ist hier richtig. Wer lieber alles per Maus zusammenklickt, sollte sich vorher LaunchBox und BigBox einrichten ansehen.
Wichtig zu wissen: Attract-Mode ist ein reines Frontend. Es spielt selbst nichts ab, sondern ruft nur deinen Emulator auf. MAME musst du also getrennt installiert und lauffähig haben, bevor es hier weitergeht.
Installation auf Windows und Linux
Lade die aktuelle Version von der offiziellen Seite attractmode.org oder aus dem Projekt-Repository auf GitHub. Achte darauf, einen Build mit FFmpeg-Unterstützung zu nehmen, sonst spielt das Frontend später keine Videovorschauen ab. Die offiziellen Windows-Pakete bringen FFmpeg mit.
Unter Windows entpackst du das Archiv in einen eigenen Ordner, etwa C:\attract. Attract-Mode ist portabel, es schreibt seine Einstellungen standardmäßig in genau diesen Ordner. Beim ersten Start von attract.exe läuft ein kleiner Einrichtungsassistent, der Sprache und Bildschirmauflösung abfragt.
Unter Linux findest du Attract-Mode in vielen Distributionen im Paketmanager, alternativ kompilierst du es aus dem Quellcode. Die Konfiguration landet hier unter ~/.attract/. Dort liegen später alle wichtigen Dateien und Unterordner, unter anderem attract.cfg, emulators/, romlists/ und layouts/.
Merke dir den Konfigurationsordner gut, denn fast jede Feineinstellung passiert entweder im Konfigurationsmenü (Taste Tab im laufenden Frontend) oder direkt in diesen Textdateien.
Emulator (MAME) und Romliste anlegen
Jetzt sagst du Attract-Mode, wo MAME liegt. Öffne das Konfigurationsmenü mit Tab, gehe zu „Emulators“ und lege einen neuen Emulator an oder bearbeite die mitgelieferte MAME-Vorlage. Alternativ editierst du die Datei emulators/mame.cfg direkt. Ein sinnvoller Satz Felder sieht unter Windows so aus:
executable C:\mame\mame.exe
args [name]
workdir C:\mame
rompath C:\mame\roms
romext .zip;.7z
system Arcade
info_source listxml
Der Platzhalter [name] wird beim Start durch den ROM-Namen ersetzt, etwa mslug für Metal Slug. Das Feld workdir sollte auf den MAME-Ordner zeigen, sonst findet MAME seine eigene mame.ini und seine BIOS-Dateien nicht. info_source listxml ist der entscheidende Trick: Attract-Mode ruft dann mame -listxml auf und zieht daraus automatisch Titel, Hersteller und Erscheinungsjahr. Ein Genre steht im listxml nicht, das Feld bleibt also leer, bis du zusätzlich eine catver.ini einbindest.
Damit erzeugst du die Romliste. Im Menü unter deinem Emulator wählst du „Generate Collection/Rom List“. Attract-Mode gleicht die XML-Datenbank mit den tatsächlich in deinem rompath vorhandenen Dateien ab und schreibt das Ergebnis nach romlists/mame.txt. Nur Spiele, deren ROM wirklich vorhanden ist, landen in der Liste. Das setzt voraus, dass dein MAME-Romset zur MAME-Version passt. Falls beim Start Spiele als fehlerhaft gemeldet werden, ist meist das Set nicht synchron. Zur Herkunft der ROMs: Nutze nur eigene Dumps deiner Originalplatinen, offiziell frei verfügbare oder Homebrew-Sets sowie legal gekaufte Compilations. Mehr dazu, warum das wichtig ist, liest du im Vergleich MAME gegen RetroArch.
Layouts und Themes auswählen
Das Aussehen bestimmt das Layout. Attract-Mode bringt einige Layouts mit, viele weitere gibt es aus der Community. Ein Layout ist ein Ordner unter layouts/ mit einem Skript in der Sprache Squirrel plus den zugehörigen Grafiken. Zum Wechseln gehst du im Konfigurationsmenü auf „Displays“, wählst deine Anzeige und darunter das gewünschte Layout. Viele Layouts bieten eigene Optionen, etwa die Art des Karussells oder ob Videos abgespielt werden.
Ein „Display“ ist bei Attract-Mode eine Ansicht mit einem Emulator und einem Layout. Du kannst mehrere Displays anlegen, zum Beispiel eines für Arcade und eines für Konsolen, und im Frontend zwischen ihnen umschalten. Für den Anfang reicht ein einziges Display für MAME völlig aus.
Artwork, Marquees und Videos einbinden
Damit die Oberfläche lebendig wird, verknüpfst du Bildmaterial. Attract-Mode kennt mehrere Artwork-Kategorien, die du pro Emulator auf Ordner zeigen lässt. In der mame.cfg sieht das so aus:
artwork snap C:\mame\snap
artwork marquee C:\mame\artwork\marquees
artwork wheel C:\mame\artwork\wheels
artwork flyer C:\mame\flyers
Die einzelnen Dateien müssen dabei nach dem ROM-Namen heißen, also mslug.png für das Marquee von Metal Slug. Die Kategorien haben feste Aufgaben:
snap: Screenshot oder Videovorschau des laufenden Spielsmarquee: das beleuchtete Schild über dem echten Automatenwheel: das freigestellte Logo für die Spielauswahlflyer: das originale Werbeplakat
Für Videos legst du einfach mslug.mp4 in den snap-Ordner. Solange dein Build FFmpeg mitbringt, spielt das Layout es automatisch ab. Achte auf die Dateigröße, denn auf einem Raspberry Pi ruckeln zu große Clips. Artwork und Videos beschaffst du dir aus legalen Community-Sammlungen oder erstellst eigene Screenshots direkt aus MAME.
Steuerung im Frontend belegen
Nichts nervt mehr als ein Automat, dessen Joystick im Menü nichts tut. Im Konfigurationsmenü unter „Controls“ belegst du die Navigation. Wichtig sind mindestens Hoch, Runter, Auswählen und Zurück. Attract-Mode nimmt Tastatur und Joystick gleichzeitig an, du drückst beim Zuweisen einfach die gewünschte physische Taste oder Stickrichtung.
Plane auch eine Taste zum Beenden des laufenden Spiels ein. Wenn MAME läuft, ist Attract-Mode im Hintergrund, das Beenden regelt dann MAME selbst über seine Escape-Taste. Willst du das auf einen Automatenknopf legen, konfigurierst du das im Tab-Menü von MAME, nicht in Attract-Mode. Für einen sauberen Aufbau mit Zero-Delay-Encoder oder Arcade-Stick hilft dir der Beitrag zum Seitenverhältnis und Integer Scaling beim korrekten Bild, nachdem die Steuerung sitzt.
Autostart als Kiosk
Ein echter Automat startet ohne Windows-Desktop direkt ins Frontend. Unter Windows legst du dazu eine Verknüpfung zu attract.exe in den Autostart-Ordner (shell:startup im Ausführen-Dialog) oder richtest eine Aufgabe im Aufgabenplaner ein. In den Attract-Mode-Einstellungen stellst du den Fenstermodus auf Vollbild und blendest den Mauszeiger aus. Über die Option „Exit Command“ kannst du festlegen, was beim Verlassen passiert, etwa das Herunterfahren des Rechners.
Unter Linux baust du den Kiosk am saubersten mit einer minimalen Oberfläche. Ein schlanker Fenstermanager wie Openbox startet automatisch beim Login, und dessen Autostart-Datei ruft attract auf. So gibt es keinen Desktop, keine Taskleiste, nur dein Frontend. Auf dem Raspberry Pi funktioniert das gleiche Prinzip. Wenn du das Beenden des Frontends deaktivierst, kommt niemand versehentlich aus dem Kiosk heraus, und dein Wohnzimmer-Cabinet fühlt sich an wie die echte Spielhalle.
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