Kurz gesagt
In LaunchBox bindest du MAME als Emulator ein, importierst deine ROMs über den Assistenten und filterst auf funktionierende Spiele, bevor BigBox die TV-taugliche Oberfläche liefert.
Inhalt
MAME läuft bei dir, aber du startest jedes Spiel per Kommandozeile oder über die karge interne Auswahl. Am Schreibtisch geht das noch, im Wohnzimmer nervt es. LaunchBox baut aus deinem Ordner voller ROMs eine echte Bibliothek mit Boxarts, Videos und Metadaten, und BigBox macht daraus eine Oberfläche, die du vom Sofa mit dem Pad bedienst. Der eigentliche Stolperstein steckt nicht in der Installation, sondern im Import: ein MAME-Set enthält hunderte BIOS-Dateien, Gerätetreiber und nicht lauffähige Klone, die kein Spiel sind. Wer die nicht aussortiert, scrollt später durch Datenmüll statt durch seine Sammlung.
LaunchBox und BigBox: was ist was
Beides gehört zum selben Paket, hat aber verschiedene Jobs. LaunchBox ist die Desktop-Anwendung, in der du deine Sammlung verwaltest: Emulatoren eintragen, ROMs importieren, Bilder herunterladen, Kategorien pflegen. Diese Basis ist kostenlos. BigBox ist der Vollbild-Modus für den Fernseher, komplett mit dem Controller bedienbar, mit Themes und animierten Übergängen. BigBox steckt hinter der kostenpflichtigen Premium-Lizenz, die es wahlweise als Jahres-Abo oder als einmalige Lifetime-Lizenz gibt. LaunchBox selbst brauchst du in beiden Fällen.
Praktisch heißt das: Du richtest alles einmal sauber in LaunchBox ein, denn BigBox liest exakt dieselbe Datenbank. Fehler beim Import (falsche Titel, BIOS-Einträge, fehlende Bilder) schleppst du sonst direkt in die Wohnzimmer-Oberfläche mit. Erst LaunchBox aufräumen, dann BigBox genießen.
MAME als Emulator hinterlegen
Bevor du ROMs importierst, muss LaunchBox wissen, womit es sie startet. Öffne oben Tools und dann Manage Emulators, klick auf Add. Als Anwendungsdatei wählst du deine MAME-Programmdatei. Bei aktuellen MAME-Versionen heißt die schlicht mame.exe, ältere 32/64-Bit-Builds hatten getrennte mame.exe und mame64.exe. Nimm die, die du auch sonst nutzt, sonst greift MAME auf eine andere mame.ini und andere Pfade zu.
Auf dem Reiter Associated Platforms ordnest du MAME der Plattform Arcade zu. LaunchBox übergibt dann beim Start nur den kurzen ROM-Namen (etwa dkong) an MAME, genau so, wie du es von der Kommandozeile kennst. Zusätzliche Parameter sind meist unnötig, weil deine Einstellungen ohnehin in der mame.ini liegen. Wenn du testen willst, ob die Verknüpfung sitzt, starte später ein bekanntes Spiel direkt aus LaunchBox heraus, bevor du den ganzen Katalog aufbaust.
ROMs über den Import-Assistenten einlesen
LaunchBox hat einen eigenen Assistenten nur für Arcade-Sammlungen, und den solltest du unbedingt nehmen. Der generische Ordner-Import behandelt jede ZIP wie ein Spiel und produziert bei MAME Chaos. Geh stattdessen auf Tools, Import und MAME Full Set.
Der Assistent fragt zuerst nach deiner MAME-Programmdatei und nach dem roms-Ordner. Wichtig: Er liest die Spielinformationen direkt aus deiner MAME-Version aus, über die interne XML-Liste (das entspricht mame -listxml). Dadurch bekommst du korrekte Titel, Hersteller und Jahreszahlen und nicht irgendeine fremde Datenbank, die zu deinem Romset vielleicht gar nicht passt. Wenn deine Sets und deine MAME-Version zusammenpassen, erkennt der Assistent sauber, welche ROMs vorhanden und lauffähig sind. Passen sie nicht zusammen, siehst du das genau hier, lange bevor ein Spiel im Frontend schwarz bleibt.
Nur funktionierende, echte Spiele filtern
Das ist der Schritt, an dem generische Anleitungen scheitern. Ein volles MAME-Set ist kein Katalog von Spielen, sondern ein Archiv von allem, was MAME kennt: BIOS-Sets wie das Neo-Geo-BIOS, reine Gerätetreiber, mechanische Automaten ohne echtes Bild und tausende Klone. Der Assistent bietet dir genau dafür Filter an, meist als Auswahlliste mit Haken. Setz sie bewusst:
- BIOS-Sets ausschließen. Das Neo-Geo-BIOS (
neogeo) oder das PGM-BIOS (pgm) sind keine Spiele, sondern Voraussetzung für andere Titel. - Geräte und mechanische Automaten ausschließen (
isdevice,ismechanical). Die haben oft kein spielbares Bild. - Nicht lauffähige Titel ausschließen. MAME markiert den Status als
preliminary,imperfectodergood. Alles was gar nicht bootet, brauchst du im Frontend nicht. - Klone optional ausblenden. Wenn du nur die Hauptversionen willst, importierst du nur die Parents und hältst die Liste kurz. Sammler behalten die Klone, fürs Wohnzimmer reichen die Eltern-ROMs.
- Erwachsenen-Titel (Mahjong mit Bildmaterial) ausschließen, falls Kinder mitspielen.
Für feinere Sortierung nach Genre kannst du die frei verfügbaren Zusatzdateien catver.ini (Kategorien) und nplayers.ini (Spielerzahl) einbinden, gepflegt vom Projekt Progetto SNAPS. Damit gruppiert LaunchBox später nach Genre oder Spieleranzahl, was die Auswahl am Fernseher deutlich angenehmer macht. Nimm dir für diesen Schritt Zeit. Ein gut gefilterter Import mit 800 spielbaren Klassikern schlägt einen Roh-Import mit 10.000 Einträgen, von denen die Hälfte gar nicht startet.
Artwork und Videos scrapen
Ohne Bilder ist die schönste Oberfläche nur eine Textliste. LaunchBox zieht Metadaten und Bilder aus seiner eigenen Games-Datenbank, Videos und viele Zusatzbilder liefert der Dienst EmuMovies (für den vollen Umfang mit eigenem Abo). Schon der MAME-Assistent bietet dir am Ende an, Bilder und Beschreibungen gleich mitzuladen. Setz die Haken für die Bildtypen, die dein Theme nutzt, typischerweise Boxart oder Titelbild, dazu Screenshot (Snap) und das Marquee, also die beleuchtete Kopfleiste des Originalautomaten.
Fehlt später etwas, geh im Menü auf Tools, Downloads und Download Media, oder klick ein einzelnes Spiel mit der rechten Maustaste an, wähle Edit und dann den Reiter Media, um Bilder gezielt nachzuladen oder eigene Dateien zuzuweisen. Gerade bei Arcade-Titeln lohnt es sich, Marquee und Snap sauber zu haben, weil viele BigBox-Themes genau diese Elemente prominent zeigen.
BigBox als Vollbild-Oberfläche einrichten
Sobald LaunchBox aufgeräumt ist, startest du BigBox aus dem Startmenü oder über die Verknüpfung. Beim ersten Start wählst du ein Theme und ein Standard-Layout. Themes bestimmen, ob du Coverflow, Wall oder eine Textliste siehst, und welche Bildtypen wo auftauchen. Probier zwei, drei aus, denn nicht jedes Theme nutzt alle Bilder gleich.
Den Controller richtest du in den BigBox-Optionen unter den Eingabe-Einstellungen ein. Dort weist du Steuerkreuz, Bestätigen und Zurück zu, damit du komplett ohne Tastatur durch das Menü kommst. Teste an dieser Stelle wieder ein Spiel: BigBox übergibt es an dieselbe MAME-Konfiguration wie LaunchBox, inklusive deiner Bildeinstellungen und Shader. Läuft ein Titel in LaunchBox, läuft er auch in BigBox.
Autostart und Kiosk-Modus
Für das echte Automaten-Gefühl soll die Kiste direkt in BigBox booten. In den BigBox-Optionen gibt es unter den allgemeinen Einstellungen die Option, BigBox automatisch mit Windows zu starten. Damit landest du nach dem Booten direkt in der Oberfläche. Einen echten Shell-Ersatz, bei dem der Windows-Desktop gar nicht erst erscheint, bietet BigBox nicht als fertigen Schalter. Dafür tauschst du in der Windows-Registry unter Winlogon\Shell den Standard-Eintrag manuell gegen die BigBox-Programmdatei aus, was Fortgeschrittenen vorbehalten bleiben sollte. Ergänzend kannst du ein Startvideo oder einen Ladebildschirm setzen.
Wenn Gäste oder Kinder die Kiste bedienen, aktivierst du den Kiosk-artigen Schutz: das Beenden von BigBox mit Passwort sichern und den Zugriff auf die dahinterliegende LaunchBox-Verwaltung sperren. So kann niemand versehentlich Einstellungen zerschießen, und die Oberfläche bleibt das, was du eingerichtet hast. Willst du selbst ran, gibst du das Passwort ein und landest wieder im normalen LaunchBox, wo du Filter nachziehen, Bilder ergänzen oder neue ROMs importieren kannst.
Wenn du LaunchBox lieber komplett als eigenständiges Kommandozeilen-Setup umgehst und ein schlankeres, freies Frontend suchst, wirf einen Blick auf Attract-Mode einrichten. Und falls du noch grundsätzlich schwankst, welcher Emulator-Unterbau der richtige ist, hilft dir der Vergleich MAME vs. RetroArch bei der Entscheidung.
Weiterführende Quellen: die offizielle LaunchBox-Seite für Downloads und Dokumentation sowie das MAME-Projekt für Emulator und Versionsstände.
mame.app ist unabhängig und erhält für Empfehlungen kein Geld. Angaben zum Recht sind eine allgemeine Einordnung, keine Rechtsberatung. Software und Rechtslage können sich ändern.